Übertritt von der JF in die Einsatzabteilung

Die letzte Jahresstatistik 2014 der Jugendfeuerwehren Brandenburgs zeigt wieder einen Mitgliederzuwachs von über 200 Jugendfeuerwehrmitgliedern. Jährlich rekrutiert die Jugendfeuerwehr über 2000 Kinder und Jugendliche. Aber nur drei von zehn Jugendlichen wechseln in die Einsatzabteilung!files/ljf-bb/Eyecatcher/uebertritt.jpg

Deshalb und mit dem Hintergrund, dass zirka Tausend Kameraden jährlich aus dem aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehren im Land ausscheiden, müssen wir uns mit der Thematik auseinander setzen und Probleme diskutieren, sowie Lösungsansätze erarbeiten.

Kick-off-Veranstaltung am 28. März 2015

Den optimalen Einstieg in die Thematik ermöglichte die Kick-off-Veranstaltung am 28. März 2015 im Eisenhüttenstädter Rathaus. Neben Impulsreferaten wurden vor allem durch die Podiumsdiskussionen viele interessante Aspekte zu der Thematik aufgezeigt.

"Ehrensache - Ich mache weiter!" war der Titel des ersten Impulsreferates, in dem Christian Patzelt, Landesjugendfeuerwehrwart Bremen, das Bremer Projekt mit dem gleichnamigen Titel zur Aufdeckung von Problemen beim Übertritt und dem Ziel, letztlich mehr Jugendliche für einen Wechsel von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung motivieren zu können, vorstellte. Das Projekt wurde vom Bundesinnenminister mit dem Förderpreis "Helfende Hand" ausgezeichnet. Erste Erfahrungen der Bremer zeigen, dass sowohl die Erwartungen der Jugendlichen an die Erwachsenen, als auch andersherum betrachtet werden sollten.

"Zum Beispiel erwarten die Erwachsenen von den jungen Anwärtern absolute Zuverlässigkeit und insbesondere Absprachen einzuhalten (z.B. regelmäßig zu den Diensten zu erscheinen)." offenbart Christian ein erstes Problem, denn die Jugendlichen sind beim Übertritt häufig auf dem Weg zur Hochschulreife oder absolvieren eine berufliche Ausbildung, die schon so eine hohe Belastung darstellen kann.

Andersherum erwarten die Jugendlichen einen zügigen Wechsel, insbesondere wenn sie "heiß" sind auf die Einsatzabteilung. Bürokratische Prozesse können jedoch den Wechsel um viele Monate verzögern, bis erst die Truppmannausbildung und ggf. Sprechfunker- und Atemschutzgeräteträgerlehrgang (ab 18 Jahren) starten können. Erst danach (und die Ausbildung nimmt auch nochmal viel Zeit ein) können sie als vollwertige Einsatzkräfte eingesetzt werden. Dieses lange Hinhalten kann zu Demotivation und letztlich fehlendes Interesse für die Weiterarbeit in der Feuerwehr führen.

Die Probleme müssen auf beiden Seiten erkannt werden und diskutiert werden, um entsprechende Lösungsmöglichkeiten erarbeiten zu können.

Anschließend bot eine erste Podiumsdiskussion eine wichtige Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema. Gäste waren:

  • Werner-Siegwart Schippel (Präsident des Landesfeuerwehrverbandes)
  • Lukas Janisch (Bundesjugendsprecher Deutsche Jugendfeuerwehr)
  • Martina Harz (stellv. Bürgermeisterin der Stadt Eisenhüttenstadt)
  • Kathrin Laske (Amtsjugendfeuerwehrwartin Amt Neuzelle)

Danach stellte Steffi Wiesner von der Koordinierungsstelle für Freiwilligenarbeit und Bürgerengagement im Landkreis Potsdam-Mittelmark den Teilnehmern ihre Arbeit vor und präsentierte anhand vieler maßgebender Zahlen und Statistiken wichtige Aspekte für das Ehrenamtsmanagement.

Lukas Janisch, Bundesjugendsprecher der Deutschen Jugendfeuerwehr, berichtete von der Auseinandersetzung im Bundesjugendforum, in dem die Jugendsprecher aus den jeweiligen Landesjugendforen zusammenkommen und beraten. Lukas konnte seine eigenen Erfahrungen zum Thema Übertritt mit einbringen, da er wegen seines Studiums nun nicht mehr in seiner Heimatstadt wohnt und dort nun nicht die relevanten Ausbildungslehrgänge besuchen kann.

Mit einer Studie zur "Herausforderung des zukünftigen handlungsfähigen Katastrophenschutzes am Beispiel des Bundesland Schleswig Holstein im Jahr 2030" beschäftige sich Michaela Führer vom Forschungsforum Öffentliche Sicherheit der Freien Universität Berlin, die die Ergebnisse ihrer Arbeit im Eisenhüttenstädter Rathaussaal präsentierte.

Eine zweite Podiumsdiskussion mit dem amtierenden Leiter der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz, Hein Rudolph, und dem Stadtbrandmeister der Stadt Falkensee (HVL), Daniel Brose, lenkte Moderator Andreas Oppermann in Fragestellungen der Zukunft. Wie wird der Löschzug 2030 aussehen? Werden im Land dann nur noch hauptamtliche Kräfte eingesetzt? Welche Schutzziele werden für die Bemessung einer leistungsfähigen Feuerwehr zu Grunde gelegt, deren wichtigste Voraussetzung der Nachwuchs ist?

Die Veranstaltung der Landesjugendfeuerwehr Brandenburg sollte einen ersten Schritt in die nun folgende Arbeitsphase machen. Zusammen mit dem Landesfeuerwehrverband möchte man nun aus allen Blickwinkeln sich mit dieser Thematik in Zukunft in einer Arbeitsgruppe auseinander setzen.

Flyerdownload

  • Flyer Kick-off-Veranstaltung Übertritt von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung
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